Bernstein
- ein Baumharz mit Geschichte
Bernstein lässt sich einfach prüfen:
Weitschat hielt sein Feuerzeug unter ein Bernsteinstück und kommentierte
"Nur der echte Bernstein verströmt einen so angenehmen und würzigen Duft,
wenn er erhitzt wird. - Kunstharz riecht unangenehm." Bereits unsere
frühen Vorfahren wussten, dass Bernstein brennt. Der Name kommt aus dem
niederdeutschen "Börnen", d.h. brennen. Auch heute noch wird
brennender Bernstein für sakrale Zwecke hochgeschätzt. "Wir verkaufen
mehrere Tonnen Bernstein für die Totenverbrennungen nach Indien" berichtet
die Firma Ropers aus Hamburg, die weltweit mit Baumharzen handelt und solche
auch zur Ausstellung beigesteuert hat.
Auf 200 qm zeigt das Natureum Niederelbe in eigens für diese Ausstellung geschaffenen Inszenierungen und Dekorationen jetzt mehr als 500 Objekte aus Bernstein und rund um dieses Baumharz. Mit Großfotos, Designbäumen und Computeranmationen beteiligte sich das Deutsche Bergbaumuseum in Bochum. Weltweit zusammengetragene Funde von Bernsteinen mit einem Alter von bis zu 200 Mill. Jahren gab das Geologisch-Paläontologische Institut der Universität Hamburg. Das Deutsche Bernsteinmuseum in Ribnitz-Damgarten und das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg stellten Bernsteinschmuck und Kunstgewerbe aus drei Jahrhunderten zur Verfügung. Die passionierte Privatsammlerin Frau Hilda Grote bereichert die Ausstellung mit einzigartigen litauischen Schnitzarbeiten aus Bernstein.
Niemand weiß genau, wo vor ca. 50 Millionen Jahren der Wald wuchs, dessen Bäume das gelbe Harz absonderten, das wir heute als Baltischen Bernstein bezeichnen. "Die Forschung vermutet den "Bernsteinwald" im Bereich der nördlichen Ostsee einschließlich Schweden und Finnland. Aber es gibt bisher keine geologischen Funde an diesen Standorten. Nur der Bernstein ist übriggeblieben." fasst Natureumsdirektor Dr. Reinhard Kölmel die Erkenntnisse über den Ursprung des Bernsteins zusammen.
Die versteinerten Harze aus Nordeuropa wurden durch die Gletscher der Eiszeiten im nördlichen Mitteleuropa und in ganz Norddeutschland verbreitet. Die größten Vorkommen liegen in der "blauen Erde" an der Küste des Kaliningrader Bezirks in Rußland, dem früheren Ostpreußen, wo der Bernstein im Tagebau mit 700 Tonnen im Jahr abgebaut wird. An der Nordsee findet ein geübter Sammler nach stürmischem Wetter und an günstiger Stelle mehrere hundert Gramm am Tag.
"Das Harz der damaligen Bäume war sehr dünnflüssig und floss schubweise. Deshalb bildeten sich Schichten bei den außen an den Bäumen hängenden Harzzapfen. Kleine Tiere und Pflanzenstücke die auf der Oberfläche festklebten, wurden durch den nächsten Harzschub perfekt eingebettet," meint Weitschat. Fast 70 % aller eingeschlossenen Tiere sind Insekten und von den Insekten sind fast 70% Fliegen und Mücken. Sie flogen auf die leuchtend gelben und glänzenden Flächen des frischen Harzes. Würmer, Schnecken, Vogelfedern oder etwas größere Tiere gehören zu den großen Seltenheiten im Bernstein.
Mit einem großen Diorama blicken die Besucher in den "Bernsteinwald": Zwischen Kiefern, Eichen, Lorbeerbäumen und Palmen flüchten zwei lebensgroße Urpferdchen vor einem räuberischen Riesenlaufvogel mit dem Namen Diatryma. Ein Bach wäscht große Harzstücke aus dem Ufer frei und trägt sie mit Holzresten und Laub flussabwärts. "Das Klima damals muss subtropisch bis tropisch warm gewesen sein" weiß Weitschat. Gattungen und Familien von Bäumen waren den heutigen ähnlich. Damals wuchsen sie nebeneinander, heute kennen wir sie nur aus weitentfernten Regionen der Erde. Bei Vögeln und Säugetieren entstanden vor 50 Mill. Jahren gerade erst die noch ganz anders aussehenden Urvorfahren unserer heutigen Arten.
Einen tiefen Einblick in die Artenvielfalt
der in den Bernstein eingeschlossenen Tiere geben über 150 Inklusensteine im
Natureum Niederelbe. Sie wurden mit sehr stark vergrößernden Lupen und in optimaler
Präsentation vom Litauischen Bernsteinmuseum in Palanga für diese Ausstellung
an die Elbe gebracht. Erstmals überhaupt werden in der Natureumsausstellung
auch neuere Maschinen für die Bernsteinbearbeitung gezeigt: Mit dem Autoklaven
wird der normal trübe Bernstein unter hohem Druck von bis zu 50 Atmosphären
und unter Zusatz von Wasser und Stickstoff klar und durchsichtig. Das in Handarbeit
sehr mühsame Schleifen und Polieren von Bernsteinstücken erledigt die Menzerna
Trommelmaschine beinahe automatisch.
Anläßlich der Ausstellung "Bernstein - Gold der Küste" - der z.Z. größten Sonderausstellung über Bernstein in der Bundesrepublik - fand im norddeutschen Natur- und Freilichtmuseum Natureum Niederelbe bei Balje/Neuhaus am 4.August die Jahresversammlung des Arbeitskreises Bernstein der Hamburger Universität statt. Fast 100 Wissenschaftler, Sammler, Hobbyforscher und Bernsteinfachleute aus Litauen, Polen und Deutschland informierten sich über neue Forschungsergebnisse und Beobachtungen, tauschten seltene Bernsteineinschlüsse (Inklusen) oder freuten sich auch nur über ein Wiedersehen.
Wissenschaftlicher Höhepunkt der Tagung war der Vortrag des Diplom -Biologen Oliver Zompro vom Max-Planck-Institut für Limnologie in Plön. Er fand eingeschlossen im fast 50 Mill. Jahre alten Bernstein zwischen Stab- und Gespenstschrecken einige Tiere, die den Stabschrecken auf den ersten Blick ähneln, sich jedoch durch verschiedene Merkmale deutlich unterscheiden. Nach den bisherigen Untersuchungen lassen sie sich in keiner der bisher bekannten Insektenordnungen unterbringen.
Erstaunlicher Weise fand Zompro im unbestimmten Material zweier großer europäischer Museen ähnliche Tiere, die erst im 20. Jahrhundert gesammelt wurden. Offensichtlich ist diese Tiergruppe also nicht im Tertiär ausgestorben, sondern lebt heute noch in einigensation des Jahres. Erstmals nach fast 90 Jahren könnte aus diesen Ergebnissen die Aufstellung einer neuen Insektenordnung hervorgehen". Zuletzt wurden im Jahr 1914 dn verbliebenen Urwaldresten der Erde. Tagungsleiter Dr. Wolfgang Weitschat vom Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Hamburg qualifiziert Zompros Ergebnisse als "die wissenschaftliche Seie Grylloblattodea (Grillenschaben) beschrieben.
Die stark besuchte Bernstein-Schau im Natureum Niederelbe an der Nordseeküste ist noch bis zum 30. November zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Man erreicht das mitten in der grünen Marsch liegende Natur- und Freilichtmuseum über die Bundestraße 73 (Stade-Cuxhaven), Ausfahrt Neuhaus/Natureum oder über die Elbfähre Glückstadt-Wischhafen.
Bernstein
ist ein faszinierendes Material, das bereits seit Jahrtausenden eine hohe Wertschätzung
durch die nordeuropäische Bevölkerung erfahren hat. Haben Sie auch schon einmal
am Strand Bernstein gesucht und sich als "Goldsucher" gefühlt? Geübte Strandläufer
finden nach Stürmen an der Nordsee über 100 Gramm am Tag.
Im Natureum Niederelbe kann man noch bis zum 30. November die zur Zeit größte Sonderausstellung der Bundesrepublik zu diesem Thema sehen. Unter den über 500 Exponaten befinden sich auch Stücke aus China, Sizilien und der Dominikanischen Republik. Wunderschöne Schnitzereien - wie ein Adler und ein Segelschiff - sind ebenso zu bewundern, wie uralte Schmuckstücke und praktische Gebrauchsgegenstände. Doch Bernstein wird nicht nur zu Schmuck und Gegenständen verarbeitet, im "Gold der Küste" ist die Kleintier- und Insektenwelt von vor 50 Millionen Jahren enthalten. Über 150 durch starke Lupen vergrößerte Inklusensteine geben den Besuchern einen Einblick in die Artenvielfalt der in den Bernsteinen eingeschlossenen Tiere.
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